Katholikentag PLUS - eine kleine Bilanz

Dreieinigkeitskirche und Oswaldkirche waren beim zu Ende gegangenen 99. Katholikentag unter anderem auch Ort vieler Veranstaltungen des alternativen Programms ¨Katholikentag PLUS¨. Die intonierten Themen waren nicht einfach, aber wichtig: Kapitalismus als Religion, Wirtschaften ohne Zerstörung der Welt, Demokratie in der Kirche, zerstörerische Lust in Missbrauch, Posing oder sozialen Netzwerken, Vielfalt von Beziehungen in Partnerschaft und Familie, Völkermord in Ruanda und eine mörderische Flüchtlingspolitik; unbequeme Namen wie Hengsbach, Schüller oder Drewermann waren auch dabei. Doch es war beeindruckend, mit welchem Ernst Christen unterschiedlichster Herkunft - katholisch wie evangelisch - über diese schwierigen Fragen nachdachten, diskutierten und nachfragten. Eine große Sehnsucht nach Aufbruch, eine unverwüstliche Hoffnung auf sichtbare, ja radikale Re-Formation der Kirchen wurde da spürbar. In der Dreieinigkeitskirche und der Oswaldkirche wurde sichtbar, dass an der Basis der christlichen Kirchen die Ökumene lebendig ist. Diese Ökumene ist längst weiter als der ökumenische Dialog auf der amtlichen Ebene. Und hier hält man sich schon längst nicht mehr mit internen Fragen auf wie der, ob denn ein katholischer Christ zum evangelischen Abendmahl gehen dürfe oder als Geschiedener überhaupt nicht mehr. Hier geht es längst um die Überlebensfragen dieses Planeten wie die religiöse Entartung des Kapitalismus oder die Gerechtigkeit Gottes angesichts von weltweitem Hunger und tausendfachem Tod von Flüchtlingen.